>

Zur Archäologie der Sinne

  
David

"Zur Archäologie der Sinne" 2017
 16 teilige Portraitreihe
 UV härtender Plattendirektdruck,Akrylglas,Akrylfarbe,                          
 Leuchtkästen jeweils 50 cm x 38 cm x 10 cm








Zur Archäologie der Sinne

Die Portraitreihe „Zur Archäologie der Sinne“ besteht aus Fotografien von 16 Personen
(8 Männer und 8 Frauen) zwischen 20 und 35 Jahren. Sie setzt sich mit den Methoden
und Ergebnissen aktueller Studien in der Attraktivitätsforschung auseinander.

Im Mittelpunkt des Diskurses und dieser Arbeit steht die Durchschnittshypothese, die
besagt, dass das Durchschnittsportrait - gebildet aus einer bestimmten Anzahl von
Individuen - gegenüber dem einzelnen Individuum tendenziell als attraktiver bewertet
wird.

Um diese spezifische Bildgenese selbst nachvollziehen zu können und mit ihr zu
arbeiten, wurde aus den Portraitierten mittels eines Morphingprogrammes jeweils ein
männlicher und ein weiblicher Durchschnittstypus berechnet.
Dieser bildet jeweils die hinterste Schicht der 4 Bildebenen eines jeden Portraits.
Zudem wurden einige subjektive Parameter - wie individuelle Größen und Farbpräferenzen
- beim Fotoshooting erfasst.Diese gestalten die vordergründige Erscheinung jedes
Bildes mit. Auch auf die Farbebene wurde dieses Konzept übertragen - alle verwendeten
Farbtöne stammen aus einem 18teiligen kompensativen Farbkreis.


   
Ausschnitt Bildgenese und Bildanlage          Felisha        
                       

Damit eröffnet sich kompositorisch in jedem Bild auf mehreren Ebenen das ambivalente
Spannungsfeld zwischen realer Gestalt und idealisierter Gestaltung.Kräftige Farben,
Leuchtreklame und überschöne Gesichter - gewöhnlich konsumstrategisch angewandte
Mittel einer omnipräsenten Popkultur - verführen hier zu einer Innenschau, in der
es um die Tendenzen der kognitiven Idealisierung in uns Selbst geht.

Die strukturelle Architektur der Sinne wird einsichtig - es offenbaren sich
tieferliegende,konservative und größtenteils unbewusste Anlagen unseres
Wahrnehmungsapparates. Neben der Funktion der Prototypenbildung, die nahe an die
Begriffsbildung heranreicht, verweist die Durchschnittshypothese auf den Prozess
einer demokratischen Bildschöpfung.Prinzipiell kommt dabei jedem Individuum eine
gleichberechtigte Bedeutung an der Gesamtgestaltung zu. Dieses partizipative
Verhältnis jedes Einzelnen am Kollektiv verbindet die Gruppe ideal-ästhetisch in
gleichem Maße, wie es sie differenziert und untereinander abgrenzt.


Ausstellungsansicht 
REGIONALE VIER in Berlin, Flutgraben e.V. 2018




 
  
Ausstellungsansicht
IM AZUR in Kiel, Anscharpark 2017